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Autonome Selbstorganisation bezeichnet jene Formen der Ordnung, Steuerung und Strukturentwicklung, die durch bewusste Entscheidungen und eigenverantwortliches Handeln innerhalb eines sozialen Systems entstehen.

Im Unterschied zur autogenen Selbstorganisation, die aus der natürlichen Eigendynamik eines Systems hervorgeht, beschreibt autonome Selbstorganisation die Fähigkeit von Menschen, Teams oder Organisationen, ihre Entwicklung aktiv mitzugestalten. Sie bezieht sich damit stärker auf soziale Systeme, in denen Selbststeuerung, Verantwortung, Handlungsspielräume und bewusste Entscheidungen eine zentrale Rolle spielen.

Der Begriff wird vor allem in der Organisationswissenschaft, Systemtheorie und Managementforschung verwendet. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Elisabeth Göbel (Universität Trier) untersuchte Ende der 1990er Jahre, wie sich das Konzept der Selbstorganisation auf die Gestaltung von Organisationen übertragen lässt. Dabei unterscheidet sie zwei Formen:

  • autogene Selbstorganisation – natürliche Dynamiken komplexer Systeme
  • autonome Selbstorganisation – bewusste Selbststeuerung sozialer Systeme

Autonome Selbstorganisation beschreibt somit jene Prozesse, in denen Menschen und Organisationen nicht nur auf Dynamiken reagieren, sondern ihre Strukturen, Entscheidungen und Entwicklungsrichtungen aktiv beeinflussen.

Die vier Meta-Prinzipien der autonomen Selbstorganisation (RZT®)

In Anlehnung an Göbel unterscheiden wir im RZT® vier Meta-Prinzipien autonomer Selbstorganisation:

  • Spontanität: Systeme benötigen die Fähigkeit und zugestandene Freiheitsgrade, situativ und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.
  • Autonomie: Handlungsspielräume und Entscheidungsfreiheit sind notwendig, damit eigenverantwortliches Handeln entstehen kann.
  • Redundanz: Mehrfach vorhandene Ressourcen, Kompetenzen oder Lösungswege erhöhen die Stabilität und Ausfallsicherheit eines Systems.
  • Prozesse  (linear und nichtlinear) Selbstorganisation vollzieht sich über dynamische Prozesse, die sowohl planbar-linear als auch offen und nichtlinear verlaufen können.

Diese vier Prinzipien beschreiben zentrale Voraussetzungen dafür, dass soziale Systeme ihre Handlungsfähigkeit auch unter Unsicherheit und Komplexität erhalten können. Im Rahmen der Resilienzförderung sorgen die Prinzipien der Selbstorganisation dafür, dass soziale Systeme nicht nur durch Vorgaben von außen gesteuert werden können, sondern auch durch eine bewusste Selbststeuerung und adaptive Gestaltungskraft.

Autonome Selbstorganisation im Kontext des Resilienz-Zirkel-Trainings nach dem Bambus-Prinzip.
Die 8 Meta-Prinzipien der Selbstorganisation nach dem RZT®

Bedeutung für Resilienz

Im Kontext der Resilienzforschung ist autonome Selbstorganisation eine wichtige Grundlage für die aktive Handlungs- und Anpassungsfähigkeit sozialer Systeme.

Resiliente Systeme sind nicht nur deshalb widerstandsfähig, weil sie natürliche Eigendynamiken besitzen, sondern auch, weil sie in der Lage sind,

  • eigenständig Entscheidungen zu treffen
  • auf Unsicherheit flexibel zu reagieren
  • alternative Wege zu entwickeln
  • Verantwortung dezentral zu verteilen
  • ihre Strukturen lernfähig weiterzuentwickeln.

Autonome Selbstorganisation erweitert damit die Idee von Resilienz um eine gestaltende Dimension: Systeme bleiben nicht nur funktionsfähig, sondern können sich bewusst neu ausrichten und weiterentwickeln.  Resilienz entsteht hier also nicht nur durch natürliche Dynamik, sondern auch durch Freiheitsgrade, Verantwortung und bewusste Steuerungsfähigkeit.

Bedeutung im Resilienz-Zirkel-Training (RZT®)

Im Resilienz-Zirkel-Training (RZT®) ist Selbstorganisation ein zentrales Meta-Prinzip der systemischen Resilienz. Die autonome Selbstorganisation beschreibt dabei jene bewusst gestaltbaren Prinzipien, durch die Menschen, Teams und Organisationen ihre Handlungsfähigkeit unter komplexen Bedingungen erhalten und weiterentwickeln können.
 

Resilienzförderung bedeutet im RZT® deshalb nicht nur, natürliche Selbstorganisationsprozesse zu erkennen, sondern auch:

  • Autonomie und Verantwortung zu stärken
  • Handlungsspielräume bewusst zu gestalten
  • spontane und adaptive Reaktionen zu ermöglichen
  • Redundanzen und alternative Wege aufzubauen
  • Prozesse so zu begleiten, dass Lernen und Entwicklung möglich bleiben.

Autonome Selbstorganisation bildet damit eine wichtige Brücke zwischen systemischer Resilienz, Führung, Organisationsentwicklung und Zukunftsfähigkeit.

Siehe auch:

Weiterführende Literatur

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