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Individuelle Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, mit Belastungen, Krisen, Unsicherheit und Veränderungen so umzugehen, dass Handlungsfähigkeit, innere Orientierung und Entwicklungsfähigkeit erhalten bleiben oder neu entstehen.

Dabei geht es nicht nur um „innere Stärke“ oder Durchhaltevermögen. Individuelle Resilienz zeigt sich vielmehr darin, wie ein Mensch unter Druck situativ auf seine vorhandenen Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen zugreifen kann. Sie ist damit keine starre Persönlichkeitseigenschaft, sondern ein dynamischer Entwicklungsprozess.

Im Resilienz-Zirkel-Training (RZT®) wird individuelle Resilienz nicht isoliert betrachtet.

Sie entsteht im Zusammenspiel von:

  • Kohärenz (Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit) einer Situation
  • Rolle, Funktion, Zuständigkeiten und Befugnissen
  • Im Zusammenwirken von individuellen und systemischen Rahmenbedingen
  • inneren und äußeren Schutzfaktoren
  • Intensität, Dauer und Anzahl von gleichzeitig wirkenden Stressoren
  • situativer Anpassungsfähigkeit
  • persönlichen Dispositionen, Erfahrungen, Traumata
  • Alter, Reife und Lebenserfahrung
  • Routinen und Lernprozessen im Umgang mit Entwicklungs- und Belastungskrisen

Individuelle Resilienz ist dabei immer persönlichkeits-, situations- und kontextabhängig. Ein Mensch kann in einem beruflichen Umfeld sehr resilient handeln und in einem familiären oder gesundheitlichen Belastungskontext deutlich weniger Zugriff auf seine Kompetenzen haben. Entscheidend ist daher nicht nur, ob resilienzförderliche Fähigkeiten grundsätzlich vorhanden sind, sondern ob sie in einer konkreten Situation auch tatsächlich aktiviert werden können.

Im RZT® wird individuelle Resilienz als Teil einer größeren Entwicklungsarchitektur verstanden. Sie steht in Wechselwirkung mit Beziehungen, Familien, Teams, Organisationen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Damit bildet sie die personale Grundlage für Resilienz als Meta-Kompetenz.

Individuelle Resilienz ist also nicht die "Leistung" eines isolierten Ichs, sondern die Möglichkeit, in einer konkreten Lebenssituation auf innere und äußere Ressourcen so zuzugreifen, dass Entwicklung unter Belastung möglich bleibt.

Die zwei Effekte der individuellen Resilienzförderung

BOUNCE BACK EFFEKT:
Entspannung, Erholung, Regeneration, Homöostase & Homöodynamik.
Resilienz steht für die Fähigkeit von Systemen nach temporären Belastungen auch sich heraus in den ursprünglichen Zustand zurückzufedern.

BOUNCE FORWARD EFFEKT:
Potentialentfaltung, Entwicklungsprozesse, Erfahrung, Lernen & persönliche Reifung. Individuelle Resilienz steht zudem für die Fähigkeit aus chronischen Belastungs- und Entwicklungskrisen zu lernen und aus Krisen gestärkt hervorzugehen.

Siehe auch

👉 Resilienz
👉 Resilienz als Meta-Kompetenz
👉 Selbstorganisation
👉 Somatische Resilienz
👉 Familien-systemische Resilienz
👉 Die 8 Meta-Kompetenzen der Resilienz (RZT®)

Die 2 Effekte der individuellen Resilienz: To Bounce Back - Entspannung, Erholung, Regeneration und To Bounce Forwart - Potentialentfaltung, Lernen und persönliche Reifung.

Wissenschaftliche Einordnung

Die Forschung zur individuellen Resilienz wurde besonders durch die Entwicklungspsychologie geprägt. Emmy Werner und Ann Masten untersuchten, warum manche Menschen trotz widriger Lebensbedingungen eine stabile oder sogar positive Entwicklung zeigen. Resilienz wurde dabei als Fähigkeit beschrieben, sich unter Belastung adaptiv anzupassen.

In der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren wurde deutlich, dass individuelle Resilienz nicht auf einen einzelnen Faktor zurückgeführt werden kann. Vielmehr wirken verschiedene Ressourcen wie Selbstwirksamkeit, Optimismus, soziale Unterstützung und Problemlösefähigkeit zusammen. Genau diesen Zugang greifen auch Bengel und Lyssenko mit ihrer Übersicht zu psychologischen Schutzfaktoren im Erwachsenenalter auf.

Im RZT® wird diese Forschungsperspektive erweitert: Individuelle Resilienz wird nicht nur psychologisch, sondern auch systemisch und somatisch verstanden. Eure Materialien beschreiben Resilienz als Zusammenspiel von Persönlichkeit, Disposition, Bedürfnissen, Selbstregulation und innerer Kompetenzstruktur . Damit wird individuelle Resilienz als situativ aktivierbare, verkörperte und relationale Entwicklungsfähigkeit verstanden.

Weiterführende Literatur

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