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Zeitlinie der Resilienz-Diskurse (1950–2030)

Die Entwicklung des Resilienzbegriffs zeigt, wie sich das Verständnis von Anpassungsfähigkeit und Krisenbewältigung über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen hinweg erweitert hat. Von der Ökologie über die Entwicklungspsychologie und Organisationsforschung bis hin zu Neurobiologie und gesellschaftlicher Transformation wurde Resilienz zunehmend als grundlegende Eigenschaft komplexer Systeme verstanden. Die nachfolgende Übersicht möchte einen groben Verlauf des Diskurses skizzieren und einen ersten Überblick darüber verschaffen, wie sich der systemisch-integrative Ansatz des RZT einordnen lässt.

1950–2000er – Resilienz in der Entwicklungspsychologie

Die moderne Resilienzforschung beginnt in der Entwicklungspsychologie mit der Frage, warum manche Kinder trotz widriger Lebensbedingungen gesund aufwachsen und sich positiv entwickeln.

Forschende wie:

  • Emmy Werner
  • Norman Garmezy
  • Ann Masten

zeigen, dass Resilienz weniger eine angeborene Eigenschaft ist als vielmehr das Zusammenspiel von Schutzfaktoren, stabilen Beziehungen und individuellen Kompetenzen.

Resilienz wird dadurch zunehmend als entwickelbare Fähigkeit verstanden.

1970er – Ursprung in der Ökologie

Parallel dazu wird der Begriff Resilienz in der Ökologie systematisch geprägt.

Der kanadische Ökologe C. S. Holling (1973) beschreibt Resilienz als die Fähigkeit von Ökosystemen, Störungen zu absorbieren und dennoch ihre grundlegende Struktur und Funktion aufrechtzuerhalten.

Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschung lautet:

Stabilität entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Anpassungsfähigkeit komplexer Systeme.

Diese systemische Perspektive prägt bis heute viele Resilienzmodelle.

1990–2000er – Resilienz in Organisationen

Mit zunehmender Globalisierung und wirtschaftlicher Dynamik wird Resilienz auch in der Organisationsforschung zu einem wichtigen Konzept.

Wichtige Beiträge kommen unter anderem von:

  • Karl E. Weick & Kathleen Sutcliffe – Forschung zu High Reliability Organizations
  • Yossi Sheffi – Studien zu resilienten Lieferketten und Organisationen
  • Forschung aus Krisen-, Risiko- und Sicherheitsmanagement

Der Fokus verschiebt sich dabei von klassischer Stabilität hin zu Adaptationsfähigkeit unter Unsicherheit.

Organisationen müssen lernen:

  • Störungen frühzeitig zu erkennen
  • flexibel zu reagieren
  • aus Krisen systematisch zu lernen.

1990–2010 – Neurobiologie, Embodiment und Stressforschung

Parallel dazu entstehen wichtige Erkenntnisse aus der Neurobiologie und Körperforschung, die Resilienz stärker mit Selbstregulation verbinden.

Einflussreiche Ansätze sind unter anderem:

  • Stephen Porges – Polyvagal-Theorie und Neurozeption des autonomen Nervensystems
  • Daniel Siegel – Neurobiologie der Integration und neuronale Plastizität
  • Robert Schleip – Faszienforschung und Geweberesilienz

Diese Forschung zeigt, dass Anpassungsfähigkeit nicht nur psychologisch, sondern auch biologisch und somatisch im Nervensystem und im Gewebe verankert ist.

Resilienz wird damit zunehmend verstanden als Regulationsfähigkeit lebender Systeme – vom Nervensystem bis zu sozialen Systemen.

2010–2020 – Resilienz als systemisches Konzept

In diesem Zeitraum entwickelt sich Resilienz zu einem zentralen Leitkonzept für viele gesellschaftliche Handlungsfelder.

Dazu gehören unter anderem:

  • organisationale Resilienz
  • Stadt- und Regionalentwicklung
  • Katastrophenschutz
  • Gesundheitssysteme
  • digitale Infrastruktur

Das Weißbuch der Bundesregierung zur Sicherheitspolitik (2016) beschreibt Resilienz erstmals ausdrücklich als gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe, um komplexe Krisen und hybride Bedrohungen bewältigen zu können.

Resilienz wird damit zu einer strategischen Zukunftskompetenz moderner Gesellschaften.

2018 – Resilienz und gesellschaftliche Verantwortung

Mit der Gründung der Stiftung ResilienzForum (2018) wird Resilienz ausdrücklich als gesellschaftlicher Entwicklungsauftrag verstanden.

Im Zentrum steht die Förderung von Resilienzkompetenzen auf mehreren Ebenen:

  • individuelle Selbstregulation
  • organisationale Anpassungsfähigkeit
  • gesellschaftliche Lernfähigkeit

Resilienz wird damit zur Brücke zwischen persönlicher Entwicklung, organisationalem Wandel und gesellschaftlicher Transformation.

2020–2030 – Resilienz als Meta-Kompetenz der Zukunft

Angesichts globaler Herausforderungen wie

  • Corona-Pandemie
  • Klimawandel
  • geopolitischer Instabilität
  • Digitalisierung und künstlicher Intelligenz
  • gesellschaftlicher Polarisierung

entwickelt sich Resilienz zunehmend zu einer Meta-Kompetenz der Zukunft.

Sie beschreibt die Fähigkeit von Menschen und Systemen,

  • Unsicherheit zu regulieren
  • komplexe Veränderungen zu integrieren
  • Entwicklung auch unter Druck aktiv zu gestalten.

Im Resilienz-Zirkel-Training (RZT®) wird Resilienz deshalb als Meta-konzeptioneller Ansatz für die Entwicklung von Zukunftskompetenzen weiterentwickelt. Das zugrunde liegende Future Skills Development Framework verbindet individuelle Fähigkeiten, Selbstorganisation und systemische Zusammenhänge.

Siehe auch

👉 Resilienz
👉 Individuelle Resilienz
👉 Organisationale Resilienz
👉 Selbstorganisation
👉 Selbstorganisation als Schlüsselkompetenz
👉 Resilienz als Meta-Kompetenz der Zukunft
👉 Gesellschaftliche Resilienz
👉 Kompetenzentwicklung
👉 Future Skills NOW - Kompetenz-Development-Framework

Fazit

Die Entwicklung des Resilienzbegriffs zeigt eine klare Bewegung über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen hinweg:

Ökologie → Psychologie → Organisation → Neurobiologie → Gesellschaft

Resilienz wird heute nicht mehr nur als Fähigkeit zur Krisenbewältigung verstanden, sondern als grundlegende Eigenschaft komplexer Systeme, unter Unsicherheit stabil, lernfähig und entwicklungsfähig zu bleiben.


Weiterführende Literatur

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